Appalachian Trail, PCT und CDT auf einen Blick: die Drei großen amerikanischen Fernwanderwege im Vergleich

Welchen würdest Du wählen?

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Auf meiner Suche nach einer Wander-Herausforderung für 2017 dauerte es nicht lang, bis ich auf den Begriff „Triple Crown“ stieß. Hinter dem Wort verbargen sich drei absolute Schwergewichte im Bereich des Fernwanderns: der Appalachian Trail („Frühstück mit Bären“), der PCT (bekannt aus dem Buch und Film „Wild“) und der CDT, alles drei Wanderwege in den USA, jeweils mehrere tausend Kilometer lang und in süd-nördlicher Richtung das Land durchquerend. Wow!

Die folgenden Wochen bestanden aus begeisterten, durchwachten Nächten, Recherchen auf unzähligen Blogs und Bingeshopping von Reiseführern in Onlinekaufhäusern.

Im folgenden gebe ich Dir einen Überblick, was jeden der drei Wege so besonders und einzigartig macht. Und es würde mich am Ende des Artikels in den Kommentaren brennend interessieren:

Welchen würdest Du wählen? (Oder bist Du sogar schon einen der Wege gegangen?) 

1. Der Appalachian Trail

  …der „Bachelorgrad“ der Triple Crown und ein wenig der „amerikanische Jakobsweg“

Der Appalachian führt Dich auf und ab geradewegs über die Appalachian Mountains und durchquert dabei ganze 14 an der Ostküste gelegene Bundesstaaten. Die meiste Zeit verläuft er im Wald, was ihm den Spitznamen „Grüner Tunnel“ eingebracht hat. Mit seinen rund 3500km ist er der kürzeste der drei Wege- Spaziergang, hm? 😉 Du solltest ihn jedoch nicht unterschätzen: ganze 200.000 Höhenmeter Anstieg sind zu bewältigen!

Der AT ist der älteste und bekannteste Weitwanderweg der USA. 1937 eröffnet, wird er seitdem von der Non Profit Organisation Appalachian Trail Conservancy und zahlreichen Freiwilligen in Stand gehalten und verwaltet. Sogenannte „Shelter“, einfache Holzhütten die Unterschlupf und meist eine nah gelegene Wasserquelle bieten, sind in regelmäßigen Abständen am Weg zu finden, Dörfer und Städte unkompliziert zu erreichen und eine gut markierte Routenführung machen die Wanderung auch für navigationsunerfahrene AbenteuerInnen interessant.

Bei so viel Wald besteht die Chance auf besondere Begegnungen: Schwarzbären (trachten allerdings eher nach Proviant als zartem Wandererfleisch), freilebende Elche oder sogar wildlebende Ponys! Gefährlich könnten Dir jedoch ganz unscheinbare Zeitgenossen werden: Zecken, die die Krankheit Borreliose übertragen…

Auf dem Appalachian Trail scheint sich eine ganz eigene Gemeinschaft entwickelt zu haben, typisch verrückt amerikanisch. So könntest Du auf Deiner Wanderung einen „Trail Namen“ erhalten: dieser stünde in irgendeiner Weise mit Dir in Verbindung (sowas wie „Snackpacker“ falls Du gern futterst, etc.) und wäre fortan Deine Bezeichnung in der Community. Oder die Trail Angels: Anwohner und Freiwillige, die am Weg „Trail Magic“ wirken, in Form von Wasser- oder Proviantspenden, Autofahrten zur nächstgelegenen Stadt oder sogar Schlafgelegenheiten für Wanderer im eigenen Haus.

Der große soziale Aspekt ist vor allem gut für Menschen die wenig Lust haben tagelang allein durch die Wildnis zu marschieren sondern lieber Bekanntschaften schließen und in Gruppen wandern. Dazu bietet sich in der relativ dicht besiedelten Gegend die Möglichkeit, entlang des Weges nebenbei noch einiges an amerikanischem Dorf- und Stadtleben mitzunehmen. Es bringt jedoch auch Probleme mit sich: Neben unzähligen „Sectionhikern“ sind 2014 unglaubliche 2700 „Thruhiker“ (Durchwanderer) gestartet, Tendenz steigend! Damit könnte man den Weg wohl reinen Gewissens als überlaufen bezeichnen. Gefährdung und Zerstörung der fragilen Ökosysteme, überfüllte und beschädigte Hütten, lauter laute Menschen, Scharchkonzerte, Ungeziefer… das hab ich dieses Jahr schon auf dem Jakobsweg erlebt.

Weitere Infos und Blogs zum Appalachian Trail findest Du z.B. hier:

– Appalachian Trail Conservation

Appalachiantrials

– feel4nature

2. Pacific Crest Trail

… der „Masterabschluss“ der Triple Crown, oder: „Zen in der Wildnis“

Vielleicht hast Du den Film „Wild“ gesehen oder das Buch gelesen. Dann hast du bereits vor Augen, wie vielfältig und beeindruckend dieser Weg ist… auf dem Trail läufst Du von Postkartenlandschaft zu Postkartenlandschaft, 4200 Kilometer von der mexikanischen Grenze in Kalifornien bis kurz hinter die kanadische Grenze in Washington, durch Wüste, Wälder, Eis und Berge. Dabei durchkreuzt Du drei Bundesstaaten, sieben Nationalparks und fünf klimatische Zonen.

Zivilisationsansammlungen meidet der Weg zum großen Teil, was logistisch vor größere Herausforderungen stellt als auf dem Appalachian Trail. Teilweise muss Verpflegung für bis zu acht Tage mitgetragen werden, Wasser ist knapp und ein Thema vor Allem in der kalifornischen Wüste. Unterkühlung droht Nachts, bei schlechtem Wetter und im Hochgebirge.

Höhepunkte gibt es einige: so verläuft der Forresterpass auf über 4.009 m und der Mount Whitney, mit 4421m der höchste Berg der USA außerhalb von Alaska, kann in einer Tagestour bestiegen werden.

Das Zeitfenster zum Durchwandern des PCT ist knapp: die Kunst besteht darin, im Frühling zeitig genug zu starten um es vor dem Winter bis in das kanadische Skigebiet Manning Park zu schaffen, und spät genug um die -selbst im Frühsommer noch mit Eisfeldern bedeckte- kalifornische High Sierra passieren zu können. Eisaxt und Wanderstöcke gehören zur Ausrüstung, gefrorene Schuhe, Eiszapfen im Zelt und die Kraft der Elemente zur Probe der du dich stellen musst…

Spätestens mit dem Kinofilm ist auch dieser Trail so bekannt geworden, dass viele Wanderer einen „Thru-Hike“ versuchen, es ist also nicht mehr ganz so ruhig auf der Strecke und ich bin mir sicher, dass Du bei einem Start in 2017 regelmäßig auf andere Wanderer treffen würdest. Dazu ist auch dieser Trail gut gekennzeichnet, sodass die Navigation kein großes Problem darstellt.

Auf Deiner Reise würdest Du vor Allem die Großartigkeit der Natur erleben. Dabei könntest Du jedoch mit einigen gefährlichen Tieren Bekanntschaft machen: Klapperschlangen, Vogelspinnen, Luchsen, Bären, Murmeltieren (ok, weniger gefährlich), Berglöwen (sehr gefährlich)…ist das nicht super?!

Weitere Links z.B. hier:

– Pacific Crest Trail Association

– halfwayanywhere


3. Continental Divide Trail (CDT)
…der „Doktortitel“  der Triple Crown oder auch „die unbekannten Weiten“

Der CDT ist der bisher unbekannteste Weg der Triple Crown und zum Teil noch nicht ganz fertiggestellt, das bedeutet, dass Du hier auf Dich selbst, Deine Ausrüstung, und Deine Instinkte gestellt bist. Auf unglaublichen 5000 Kilometern folgst Du den Rocky Mountains und weniger einem Weg, sondern einem Korridor, durchweg in Höhen von 1000-4000 Metern.
Der Weg ist so etwas wie die „wilde Schwester“ des PCT und hat unglaubliche Panoramen und Natur zu bieten, Tundra, Wüste, Berge… Doch erwartet Dich hier die ultimative Herausforderung: noch extremere Wetterbedingungen, noch schwierigere Logistik und ein noch knapperes Zeitfenster um Eis und Schnee zu entgehen.

Keine Lust auf Menschen? Auf dem CDT hättest Du deine Ruhe, denn pro Jahr starten hier zwischen 200 und 300 Wanderer auf einen Thru-Hike, davon erreichen nur 20-40 das Ziel ohne vorher auszusteigen!

Weitere Infos zum Beispiel hier:

– Francis Tapon

– Continental Divide Trail Coalition

– www.pmags.com

Das sind sie also, die drei Wege zur Triple Crown! Meine Entscheidung ist gefallen: Am 31. März 2017 werde ich -so alles gut geht- nach LA fliegen und von dort weiter auf den PCT starten! Ich freue mich schon sehr, auch wenn ich bis dahin definitiv noch an meiner Frostfestigkeit arbeiten muss… 😉 

Übrigens, erst ca. 500 Menschen haben in ihrem Leben alle drei Wege komplett bewältigt, unter Anderem diese drei Blogger, reinschauen lohnt sich!

– Banana Pants

– Maria Elfe

– Carrot Quinn

Autor: ichbindani

freies köpfchen, wild, bunt, vegan. neben der spur und doch auf einem guten weg

11 Kommentare zu „Appalachian Trail, PCT und CDT auf einen Blick: die Drei großen amerikanischen Fernwanderwege im Vergleich“

  1. Wow. Mutige Entscheidung! Ich hätte instinktiv empfohlen, die drei Wege in der oben angegebenen Reihenfolge zu gehen.
    Aber deine Idee ist gut. Ich war in Südwesten mal im Urlaub und die Eindrücke werden mich mein ganzes Leben begleiten. Wir fantastisch muss das erst sein, wenn man geht…!!!
    Ich bin gespannt, wie du das bewältigst und was du alles erlebst.
    Keep smiling and be tough.
    Sonnige Grüße Nadine

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    1. Hey Nadine! Viele Leute wählen den Appalachian zum Einstieg, viele Menschen die sich gegenseitig helfen, regelmäßige Anbindung an die Zivilisation falls etwas mit der ausrüstung noch nicht ganz passt…

      Nach dem jakobsweg dieses jahr steht mir jedoch der Sinn nach etwas mehr ruhe (insgeheim hoffe ich, die triple crown irgendwann mit dem Appalachian abschließen zu können 🙂 )

      Vielen Dank, Du auch! 💜😊

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